Als man mich fragte, ob ich denn Lust haette, eine kleine Rattour durch die Anden zu machen, habe ich sofort zu gesagt.
Radfahren konnte ich noch, das habe ich waehrend der Zeit in Mittelamerika schon zwei Mal ausprobiert. Dabei habe ich auch bemerkt, dass man unheimlich viel von Land und Leuten erfaehrt auf so einer Tour.
Diese Radtour war allerdings ein bisschen anders als die vorherigen.
Das Stichwort hier heisst “offroad”!
Es ging ueber Geroell und durch riesige Schlammpfuetzen einen Pfad entlang, der nur mit gelaendetauglichen Autos befahren werden konnte und teilweise ein erhebliches Gefaelle aufwiese.
Die Anderen in der Gruppe schienen mit den Begebenheiten weniger Probleme zu haben und so bildete ich meist das Schlusslicht. Das stoerte mich aber nicht weiter, weil mir diese Tour auch in meinem Schneckentempo sehr viel Spass machte und ich mich darauf verlassen konnte, dass bei jeglichen Problemen in ein paar Minuten das uns folgende Begleitfahrzeug zur Stelle sein wuerde.
Alle paar Hoehenmeter war eine kleine, von Einheimischen bewohnte Huette zu finden.
Zu fast jeder dieser Huetten gehoerte auch ein Hund.
Diese Hunde liefen natuerlich frei herum. Warum auch nicht, es gab ja nicht viele Leute, die sich hierher verirrten und ueber unangeleinte Hunde beschweren konnten.
Menschen auf einem Fahrrad schienen diese Hunde ueberhaupt noch nicht gesehen zu haben. Sie begruessten mich demnach mit entsprechendem Gebell, liefen neben meinem Rad her und kamen meinen Waden fuer mein Empfinden viel zu nah.
Als ich wieder einmal an zwei Huetten vorbei fahren wollte, kam aus der einen Huette eines dieser bloeden Biester auf mich zu gerannt. Ich habe mich erschrocken, versucht auszuweichen und mich bei diesem Manoever der Laenge nach auf den Schotter gelegt.
Von dem Hund war nix mehr zu sehen, dafuer sah ich aber aus dem Augenwinkel eine roetliche Fluessigkeit mein Gesicht wie einen Sturzbach herrunter fliessen und auf meine Shorts tropfen. Die waren in Sekunden schnelle rot getraenkt.
Die Einheimischen, die die ganze Szene verfolgt und meinen Schreien gehoert haben mussten, umringten mich und riefen mir irgendwelche Woerter auf Spanisch zu, die ich nicht verstanden habe.
Das Einzige, was ich hervor bringen konnte war:
“un carro - alli!
“Ein Auto - dort” (Mit Fingerzeig in die entsprechende Richtung)
Was soviel heissen sollte wie “Ein Auto ist unserer Gruppe gefolgt, es kommt diesen Weg entlang und muesste eigentlich jeden Moment hier sein”
Dem war dann auch so. Der Fahrer des Jeeps war total einsetzt, als er mich dort in der Mitte der Einheimischen, blutend und die Stirn haltend auf dem Boden sitzen sah.
Er reichte mir ein Handtuch, dass ich auf die Wunde pressen konnte und versuchte mich (und noch mehr sich selbst) mit troesten Worten zu beruhigen, waehrend ich mir nach dem erste Schock schon wieder Sorgen um eine Kamera machen konnte.
Die anderen Gruppenmitglieder und unser Guide stapften den Berg wiederhoch und es wurde kurzerhand entschieden mit mir ins Krankenhaus zu fahren.
Dies befand sich in der kleinen Andenstadt Chiragua, eine halbe Stunde entfernt.
Auf der Fahrt dort hin stoppt die Blutung allmaehlig und ich konnte mir den Schaden im Seitenspiegel anschauen.
Hoechsten ein bis anderthalb Zentimeter war die Wunde gross. Ich kann mich nicht daran erinnern, schon mal zuvor in meinem Leben bei vollem Bewusstsein so viel geblutet zu haben und das alles soll aus dieser kleinen Wunde gekommen sein?
Mir war es schon fast ein bisschen peinlich, wegen solch eines kleinen Schnittes in ein Krankenhaus zu fahren.
Das Krankenhaus stellte sich dann jedoch als eine kleine, sehr saubere Ambulanz heraus, in der lediglich eine Krankenschwester, aber kein Arzt agierte.
Die Krankenschwester hat die Wunde gesaeubert, getapet und mich mit der Anweisung die Wunde die naechsten drei Tage mit Alkohol zu behandeln wieder entlassen.
Erst unter der Dusche in der Posada habe ich dann bemerkt, das mein restlicher Koerper mit Bluterguessen uebersaeht war.
Diese waren mir bei dem ganzen Trara um die Wunde an der Stirn ueberhaupt nicht aufgefallen.
Sollte ich in den naechsten drei Wochen ein weiteres Mal meine Fotos verlieren, werde ich auf jeden Fall etwas haben, das mich immer an diesen Trip erinnern wird.
“Wo hast du die Narbe denn her?”, werden mich die Leute fragen.
“Die habe ich von einer Bikingtour aus den Anden in Venezuela mitgebracht!”, kann ich dann sagen.