Die ersten zwei Laender habe ich hinter mir gelassen. Guatemala und Honduras waren noch in der letzten Woche aktuell, heute befinde ich mich in Nicaragua.
Dieses Land hat uns allerdings nicht sehr freundliche begruesst.
Unsere Gruppe hatte entschieden, einen Tag laenger in Utila zu bleiben und sich den Stopp in Comeagua zu sparen. Laut unserem Tourleader sollte das Hotel dort nicht sonderlich schoen sein und es gaebe die Moeglichkeit einen Privattransfer direkt bis nach Léon in Nicaragua zu buchen.
Wir fanden diesen Vorschlag alle sinnvoll und stimmten dafuer. Was allerdings keiner von uns bedacht hatte ist, dass wir dadurch erst um 2 Uhr Nachts in Leon eintreffen wuerden.
In jedem Reisefuehrer steht: “Reise nicht in der Dunkelheit!”
Nur nochmal zur Erinnerung: Die Sonne geht hier um halb 6 auf und verschwindet dann aber auch schon wieder um 6 Uhr Abends.
Als wir um 11 Uhr an die Grenze Honduras-Nicaragua kamen war es demnach schon tiefe Nacht.
18 Stunden waren wir unterwegs und nur noch 2 Stunden von unserem Ziel entfernt.
Diese zwei Stunden sollten allerdings ueber eine Strasse fuehren, die durch den Regen der letzten Monate sehr mitgenommen war und teilweise nur mit 10-20 km/h befahren werden konnte.
Diese Tatsache haben sich einige Einheinmische zu Nutze gemacht und sich mit Maschinengewaehren auf die Lauer gelegt.
Ihr Ziel: Kleine schoene Privatbusse mit lauter reichen Touristen.
Wir waren also die perfekte Beute.
Vielleicht war es unser Glueck, dass wir zu so spaeter Stunde an die Grenze kamen, denn die Zoellner dort wussten bereits um die Umstaende und warnten uns.
Eine einfache Weiterfahrt war unmoeglich. Uns blieben drei Moeglichkeiten:
1.) Einen Wachmann engagieren, der mit uns mitfaehrt und dann alleine einer Gruppe von Banditen gegenueberstehen sollte.
2.) Warten bis die Wachposten wechseln und hinter denen herfahren.
3.) Ein Hotel in der Gegend suchen und am naechsten Tag bei Licht weiterfahren.
Wir entschieden uns fuer die dritte Variante und so kam ich in den Genuss in dem haesslichsten Zimmer aller Zeiten so schlafen. Dusche und Toilette trennte nur ein Vorhang vom restlichen Zimmer und das Wasser lief nur wenn es Lust dazu hatte.
Um Geld zu sparen haben wir uns zu zweit in ein Bett und zu viert in ein Zimmer gequetscht.
Erschwerend kam hinzu, dass wir mindestens 30 Stunden nicht geduscht hatten, weil in Utila ebenfalls das Wasser ausgefallen war.
Nach 5 Stunden mehr oder weniger festen Schlafens und einer kurzen Waesche mit Hilfe unserer Wasserflaschen haben wir uns auf die letzte Etappe gemacht.
In Leon angekommen erwartete uns ein wunderschoenes kleines Hotel und ein wenig Wehmut, bei dem Gedanken fuer dieses tolle Hotel bezahlt und in dieser billigen Absteige “geschlafen” zu haben.
Ob die Leute an der Grenze wohl Verwandte von der Hotelbesitzerin waren?
Ich haette es nicht auf einen Versuch ankommen lassen wollen.